Über die Autorin

Kaga Otohiko

Kurahashi Yumiko
1935 geboren und im Juni 2005 verstorben, gilt als die "grosse alte Dame" der modernen japanischen Literatur. Nach dem Studium der Literatur in Tokio hat sie mehrere Jahre in Frankreich gelebt und gearbeitet. Ihr literarisches Oeuvre ist in Japan mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden. Mit dem Roman "Die Reise nach Amanon", der eine Sonderstellung in ihrem Gesamtwerk einnimmt, bedient sie sich des phantastischen Genres, um aktuelle Probleme zwischenmenschlicher Beziehungen einer hochtechnisierten Gesellschaft aufzugreifen.

 

KURAHASHI Yumiko
Die Reise nach Amanon

Ausgeschickt, den Amanoniern "die frohe Botschaft des Monokamismus" zu verkünden, gerät der Missionar P bei seiner Reise ins sagenumwobene Land Amanon aus dem Staunen nicht heraus: die Sprache der Einwohner ist flapsig, Fisch wird roh gegessen, bei ausgelassenen Partys giesst man sich ungeniert Bier über den Kopf, und das Benehmen der Männer wirkt auf ihn ausgesprochern weibisch. Erst allmählich dämmert ihm: In Amanon sind die Männer sexuell wie sozial völlig unterjocht. Fortpflanzung findet ausschliesslich im Reagenzglas statt, wobei männliche Samenzellen vor der Befruchtung aussortiert werden. Nur ausgesuchte Männer leben in einer abgeschotteten Siedlung und dienen als Samenspender. Die einzigen Männer, die am öffentlichen Leben teilnehmen, sind Kastraten.

Kurahashi Yumiko hat mit diesem aussergewöhnlichen Roman eine originelle Satire auf das heutige Japan mit all seinen landläufigen Gepflogenheiten geschrieben: vom Sushi-Essen bis zum Sumo Ringkampf, von der sexualisierten Manga-Welt bis zur antiquierten Tenno-Zeremonie. Diese Gesellschaft hat scheinbar alles, vergnügt sich scheinbar mit allem und jedem und leidet dennoch. Denn es fehlt die wirklich "frohe Botschaft" - die Liebe.