Über die Autorin

Masuda Mizuko

MASUDA Mizuko
geboren 1948, studierte Agrarwissenschaften und Biochemie an der Tokyo University of Agriculture and Technology. In den späten 1970er-Jahren, während sie in einem Labor für Biochemie an der Nippon Medical University arbeitete, begann sie mit der Veröffentlichung von belletristischen Werken. Für den Roman »Jiyû jikan« (Freie Zeit) wurde ihr der Noma-Kunst-Nachwuchspreis verliehen, und für den vorliegenden Roman, dessen japanischer Titel »Shinguru Seru« lautet, der Izumi-Kyôka-Preis. Desweiteren erhielt Mizuko Masuda für »Tsukuyomi« (Tsukuyomi ist eine shintoistische Gottheit) den Itô-Sei-Literaturpreis. Außerdem wurde sie wiederholte Male für den Akutagawa-Preis, den bedeutendsten Literaturpreis Japans, nominiert. Im Mittelpunkt ihrer Romane stehen häufig als Single lebende junge Menschen. Zentrale Themen in ihren Werken sind die emotionale Isolation und die Einsamkeit einzelner Individuen in der Gesellschaft.

 

MASUDA Mizuko
Der Einzeller

Der Student Mikio Shiiba verlor seine Mutter bereits als kleines Kind, und seit dem plötzlichen Tod seines Vaters lebt er nun ganz allein in Tokyo. Er jobbt neben seinem Studium als Nachhilfelehrer, um sich über Wasser zu halten.

Für zwei Wochen reist er in einen Gasthof aufs Land, wo er in der Ruhe der Abgeschiedenheit seine Abschlussarbeit über die Überlebensfähigkeit von isolierten Zellen fertigstellen möchte. Doch in seinem Kopf dreht sich alles um die Vergangenheit. Rückblickend ist er erstaunt darüber zu sehen, dass er nach dem Tod seines Vaters nahezu alle Verbindungen zu anderen Menschen gekappt hat.

Am letzten Tag seines Aufenthalts lernt er eine junge Frau kennen. Gemeinsam reisen sie zurück nach Tokyo, wo sie bei ihm einzieht. Doch sie verfällt in Schweigen. Nach einiger Zeit verschwindet sie plötzlich ganz.

Die Geschichte liest sich wie ein wissenschaftliches und literarisches Experiment zugleich: Was passiert, wenn ein Single, der als Waise nach und nach seine Verbindungen zur Außenwelt abgeschnitten hat, fast wie ein isolierter Einzeller lebt und einen nahezu animalischen Geruchssinn hat, auf ein Single des anderen Geschlechts trifft, der sich, getrieben von dem unbändigen Verlangen, allein zu sein, ebenfalls von seinen Mitmenschen zurückzieht?